ECCTA 2023: KI‑gestützte Prozessautomatisierung für Compliance in Banken

In Großbritannien haben Behörden in den letzten Monaten begonnen, ein neues Gesetz gegen Wirtschaftskriminalität wirklich durchzusetzen. Das heißt: Firmen werden stärker kontrolliert und öfter bestraft, wenn in ihrer Organisation betrügerische oder sanktionierte Handlungen stattfinden. Vier große Veränderungen sind besonders wichtig.

Erstens gibt es eine neue Regel, die besagt, dass ein Unternehmen bestraft werden kann, wenn jemand für das Unternehmen Betrug begeht. Früher konnte eine Firma sagen: „Wir hatten doch vernünftige Regeln, also können wir nichts dafür.“ Diese Verteidigung gilt jetzt nicht mehr so einfach. Entscheidend ist, ob eine leitende Person in der Firma beteiligt war oder hätte wissen müssen, was passiert. „Leitende Personen“ werden viel weiter gefasst als früher. Das sind nicht nur der Vorstand oder die Geschäftsführung, sondern auch Leute, die wichtige Entscheidungen treffen, zum Beispiel in der Abteilung, die für Regelüberwachung zuständig ist. Wenn solche Personen in Betrug, Geldwäsche oder Umgehung von Sanktionen verwickelt sind, kann das Unternehmen dafür strafrechtlich haftbar gemacht werden.

Zweitens prüft das Register für Firmen deutlich aktiver, ob Firmen echt sind oder nur Scheinfirmen. Die Prüfer kontrollieren jetzt öfter, ob die genannten Geschäftsführer wirklich existieren, sie schauen sich verdächtige Eintragungen genauer an und löschen Firmen, die offensichtlich falsch oder betrügerisch sind. Dabei arbeiten mehrere Behörden zusammen und haben bereits Zehntausende Einträge bereinigt. Für Unternehmen bedeutet das: die Angaben zu Geschäftsführung, Eigentümern und wirtschaftlich Berechtigten müssen sauber und nachprüfbar sein. Sonst droht Löschung oder weitere Auflagen.

Drittens wurde die Liste mit Personen und Firmen, gegen die Sanktionen gelten, vereinheitlicht. Früher gab es mehrere verschiedene Listen, jetzt gibt es eine einzige offizielle Liste. Das macht das Prüfen einfacher, aber Unternehmen müssen ihre Systeme so anpassen, dass sie diese eine Liste regelmäßig nutzen und aktualisieren. Wer mit Partnern, Lieferanten oder Kunden arbeitet, muss sicherstellen, dass keine Geschäfte zugunsten sanktionierter Personen oder Staaten laufen.

Viertens setzen Ermittler vermehrt auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz, um alte Fälle schnell auszuwerten. Große Bestände an Meldungen über verdächtige Zahlungen oder viele Dokumente, die sonst Monate dauern würden, können so innerhalb von Minuten durchsucht und analysiert werden. Das bedeutet: wenn es Hinweise gibt, wird schneller geprüft, ob etwas nicht stimmt, und Behörden können zügiger handeln.

Für Geschäftsführer, die künstliche Intelligenz einsetzen wollen oder bereits nutzen, gibt es daraus zwei Hauptrisiken und daraus folgende praktische Aufgaben. Erstens betrifft das Risiko durch die Ausweitung des Begriffs „leitende Person“. Hier muss die Geschäftsführung genau festlegen, wer in der Firma als leitend gilt und wer damit besondere Verantwortung trägt. Das heißt, Rollen müssen klar beschrieben, Verantwortlichkeiten schriftlich festgehalten und Entscheidungswege dokumentiert werden. Die Risikoanalyse der Firma muss neu gemacht werden: Man muss prüfen, an welchen Stellen Leute Entscheidungen treffen können, die zu Betrug oder Sanktionsverstößen führen könnten. Auf Basis dieser Analyse sollten die internen Regeln, Kontrollen und Systeme angepasst werden, damit Entscheidungen besser überwacht werden und Fehler oder Missbrauch schneller auffallen.

Zweitens geht es um die Einhaltung von Sanktionen und die Sorgfaltspflicht gegenüber Geschäftspartnern. Hier sollten Unternehmen ihre Prüfprozesse modernisieren. Dazu gehört, Kundendaten und Lieferanten regelmäßig gegen die einheitliche Sanktionsliste zu prüfen, Identitäten von Geschäftsführern und wirtschaftlich Berechtigten zu verifizieren und Geschäftsbeziehungen mit erhöhtem Risiko besonders sorgfältig zu untersuchen. Künstliche Intelligenzgestützte Werkzeuge können hier helfen, weil sie große Datenmengen schneller durchsuchen, automatische Alarmmeldungen für Treffer geben und Hinweise priorisieren. Praktische Anwendungsfälle sind zum Beispiel: automatisches Prüfen neuer Kunden und Lieferanten beim Onboarding, laufende Überwachung von Transaktionen auf ungewöhnliche Muster, automatische Abgleichung von Namen und Firmen gegen die Sanktionsliste, schnelle Durchsicht langer Sammlungen von Verdachtsmeldungen zur Eingrenzung der wirklich wichtigen Fälle, und die Unterstützung von Ermittlern bei der Zusammenstellung von Beweisen.

Wichtig ist dabei, diese Werkzeuge nicht blind einzusetzen. Jeder Einsatz muss begleitet werden von menschlicher Kontrolle, klaren Prozessen und Nachweisdokumentation. Man sollte testen, wie zuverlässig die Technik arbeitet, dafür sorgen, dass die Daten sauber und aktuell sind, und die Entscheidungen nachvollziehbar machen, damit im Ernstfall erklärt werden kann, wie ein Ergebnis zustande kam. Außerdem gehört rechtliche Prüfung dazu: Prüfen, ob der Einsatz der Technik mit Datenschutz- und Strafvorschriften vereinbar ist und wie die Aufzeichnungen aufzubewahren sind.

Konkrete Schritte, die ein Geschäftsführer sofort angehen kann, sind: erstens Rollen und Entscheidungsbefugnisse intern klar definieren und dokumentieren; zweitens eine aktualisierte Risikoanalyse zu Betrug, Geldwäsche und Sanktionen durchführen; drittens die eigenen Abläufe zur Überprüfung von Kunden, Lieferanten und Firmenbeteiligungen an die einheitliche Sanktionsliste anpassen; viertens prüfen, wo automatisierte Werkzeuge helfen können, und deren Nutzung mit klaren Kontrollmechanismen einführen; fünftens Mitarbeitende schulen, damit sie Warnsignale erkennen und richtig handeln; und sechstens Ergebnisse und Kontrollen regelmäßig intern prüfen und bei Bedarf anpassen.

Die Botschaft ist: Behörden werden strenger und schneller. Unternehmen, die klare Regeln, gute Kontrollen und moderne Werkzeuge haben, sind besser geschützt. Wer jetzt seine Rollen, Prozesse und Technik anpasst, reduziert das Risiko von Strafen und kann außerdem schneller und effizienter arbeiten.

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